Balkonkraftwerk mit Speicher in der Schweiz: Darauf kommt es an

Ein Balkonkraftwerk liefert den meisten Strom, wenn die Sonne scheint. Verbraucht wird er aber oft am Abend und in der Nacht. Ein Speicher überbrückt diese Lücke: Er nimmt überschüssigen Solarstrom tagsüber auf und gibt ihn ab, wenn Sie ihn brauchen. Ob sich das für Sie lohnt, hängt vor allem von Ihrem Verbrauch ab. In diesem Beitrag erfahren Sie, wie Sie den Bedarf abschätzen und welche Regeln in der Schweiz gelten.
Wofür ein Speicher am Balkonkraftwerk gut ist
Ohne Speicher fliesst der Strom, den Sie gerade nicht selbst verbrauchen, ins Netz. Mit Speicher bleibt ein Teil davon im Haus und deckt später Ihren Bedarf. Das ist besonders interessant, wenn tagsüber niemand zu Hause ist, etwa bei Berufstätigen.
- Mehr Eigenverbrauch: Sie nutzen mehr von Ihrem eigenen Solarstrom.
- Strom am Abend: Kühlschrank, Router und Standby-Geräte laufen auch nach Sonnenuntergang mit gespeichertem Strom.
- Weniger Einspeisung: Es geht weniger Strom ungenutzt ins Netz.
Im Winter erzeugen die Module deutlich weniger Strom. Der Speicher füllt sich dann seltener, und der Nutzen ist geringer als im Sommer.
Wie gross sollte der Speicher sein?
Eine einfache Faustregel: Der Speicher sollte den Strom abdecken, den Ihr Haushalt zwischen Abend und Morgen grundsätzlich braucht. Diesen Grundverbrauch erkennen Sie an der Leistung, die nachts dauerhaft anliegt. Sie multiplizieren sie mit den Stunden, die der Speicher überbrücken soll.
| Grundlast in der Nacht | Überbrückte Zeit | Benötigte Kapazität (Beispiel) |
|---|---|---|
| 100 W | 10 Stunden | 1,0 kWh |
| 150 W | 10 Stunden | 1,5 kWh |
| 200 W | 10 Stunden | 2,0 kWh |
Die Werte sind eine reine Rechenhilfe (Watt mal Stunden geteilt durch 1000) und keine Messwerte. Ihre Grundlast können Sie mit einem Strommessgerät oder über Ihren Smart Meter ermitteln. Beachten Sie ausserdem, dass die nutzbare Kapazität eines Speichers meist etwas unter der Nennkapazität liegt. Die genauen Angaben finden Sie im Datenblatt des jeweiligen Geräts.
Unsicher, welche Kombination zu Ihnen passt? Der Kaufberater schlägt Ihnen nach vier kurzen Fragen ein Set vor. Alle Sets mit Akku finden Sie unter Sets mit Speicher.
Was gilt in der Schweiz?
Für steckerfertige Anlagen gelten in der Schweiz klare Grenzen. Mit einem Speicher ändern sich die Regeln nicht grundsätzlich, es kommen aber ein paar Punkte dazu.
- 600 Watt insgesamt: Die AC-Leistung der gesamten Anlage ist auf 600 W begrenzt, nicht auf 800 W wie in Deutschland. Mehr dazu in unserem Beitrag 600 W statt 800 W.
- Speicher als Teil der Anlage: Laut Factsheet des Energieversorgers AEW darf ein Akku dabei sein, wenn er mit Solarmodul, Wechselrichter und Netzanschluss eine lokale Einheit bildet.
- Eine Anlage pro Anschluss: Pro Bezügerleitung, etwa pro Wohnung, ist höchstens eine Plug-and-Play-Anlage vorgesehen.
- Anmeldung: Die Anlage muss schriftlich beim Netzbetreiber gemeldet werden, mit der Konformitätserklärung des Herstellers. Wie das geht, steht in der Anleitung zur Anmeldung.
- Sicherheit: Vorgeschrieben sind ein Fehlerstromschutz (zum Beispiel ein PRCD Typ B mit höchstens 30 mA) und die automatische Abschaltung bei einem Netzunterbruch.
- Mieter und Stockwerkeigentum: Holen Sie vorher die Zustimmung von Vermieter oder Verwaltung ein, am besten schriftlich. Eine Vorlage finden Sie im Ratgeber für Mieter.
Dieser Beitrag ist eine allgemeine Information und keine Rechtsberatung. Bei Fragen zu Ihrer Installation wenden Sie sich an Ihren Netzbetreiber oder an eine Elektrofachperson.
Lohnt sich ein Speicher finanziell?
Das lässt sich nicht pauschal beantworten. Entscheidend sind drei Dinge: wie viel Solarstrom Sie ohne Speicher ins Netz abgeben würden, wie viel davon der Speicher zusätzlich für Sie nutzbar macht und was Sie pro Kilowattstunde bezahlen. Die zusätzlich genutzten Kilowattstunden pro Jahr mal Ihr Strompreis ergeben Ihre jährliche Ersparnis.
Zur Einspeisung ins Netz: Die Elektrizitätskommission ElCom hat 2023 erklärt, dass Netzbetreiber auch Strom aus Balkonanlagen angemessen vergüten müssen. Gemessen werden kann die Einspeisung allerdings nur mit einem Smart Meter, und SRF nennt für kleine Anlagen eine Vergütung von nur etwa 5 bis 10 Franken pro Jahr. Die Rechtslage war zudem im Fluss. Fragen Sie deshalb Ihren Netzbetreiber nach dem aktuellen Stand. Eigenverbrauch ist in der Regel der grössere Hebel als die Einspeisevergütung.
Häufige Fragen
Kann ich den Speicher später erweitern?
Bei manchen Systemen ja. Passende Zusatzakkus finden Sie unter Erweiterungsakkus. Prüfen Sie vor dem Kauf, ob der Akku zu Ihrem Speicher passt, und beachten Sie die Grenze von 600 W für die gesamte Anlage.
Kann ich nur einen Speicher zu einer bestehenden Anlage ergänzen?
Dafür gibt es Speicher, die einfach an die Steckdose angeschlossen werden. Eine Auswahl finden Sie unter Speicher. Auch dann gilt: Die Anlage muss beim Netzbetreiber gemeldet sein. Fragen Sie im Zweifel vor dem Kauf nach.
Quellen
- AEW Energie AG: Factsheet Plug-n-Play-Photovoltaik-Anlagen
- VSE: Infoblatt Plug&Play-Photovoltaikanlagen (Stand 15.09.2023), bereitgestellt von Swissolar
- SRF Espresso: Bund stellt klar, EW müssen auch Strom aus Balkon-Solaranlagen vergüten (26.04.2023)
- WEKA: Balkonkraftwerk, was beim Einbau in der Schweiz gilt (27.03.2025)